{"id":244,"date":"2018-10-25T13:08:30","date_gmt":"2018-10-25T11:08:30","guid":{"rendered":"https:\/\/sanderconcept-blog.de\/?p=244"},"modified":"2025-01-15T17:23:56","modified_gmt":"2025-01-15T16:23:56","slug":"schreckgespenst-mvz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/2018\/10\/25\/schreckgespenst-mvz\/","title":{"rendered":"Schreckgespenst MVZ"},"content":{"rendered":"<p>Fast t\u00e4glich k\u00f6nnen wir Beitr\u00e4ge zu diesem Thema lesen, und meistens ist der Tenor: MVZ \u2013 die Welt geht unter. Gut, MVZ gibt es schon lange, eine R\u00fcckbesinnung auf die alten Polikliniken. Seit 2015 k\u00f6nnen nun auch arztgruppengleiche MVZ betrieben werden, eine Chance f\u00fcr viele Unternehmer-Zahn\u00e4rzte. Gr\u00f6\u00dfter Vorteil: Man kann Zahn\u00e4rzte in beliebiger Zahl einstellen. Und nun gibt es noch die MVZ in Fremdbesitz. Dazu gleich mehr.<\/p>\n<p>Aber ist das nun wirklich so eine Katastrophe, wie es oft dargestellt wird? Wo kommen wir denn her? Bis 2007 konnte der Zahnarzt nur eine Praxis ohne angestellte Zahn\u00e4rzte betreiben. Einziger Ausweg: die Gemeinschaftspraxis. Da arbeiteten mindestens zwei Zahn\u00e4rzte in einer Praxis. Das waren dann schon die gro\u00dfen Einheiten. F\u00fcr die Zahn\u00e4rzte der ehemaligen DDR war das knapp 20 Jahre zuvor mit dem Einigungsvertrag \u00fcbrigens tats\u00e4chlich eine Katastrophe: die wollten \u00fcberwiegend n\u00e4mlich gar nicht selbstst\u00e4ndig sein, wurden aber dazu gezwungen. Wer hat sich eigentlich dar\u00fcber aufgeregt?<\/p>\n<p>Heute besteht eine Vielzahl von M\u00f6glichkeiten, den Zahnarztberuf auszu\u00fcben. Und das passt nach meiner Einsch\u00e4tzung gut zu den Anforderungen der Generation Y bzw. denen, die aus der vielzitierten \u201eFeminisierung\u201c erwachsen. Ist doch prima, in welcher Vielfalt der Beruf ausge\u00fcbt werden kann. Bis dahin ist dann auch noch meistens ein Konsens zu erzielen. Aber beim Stichwort \u201eMVZ in Fremdbesitz\u201c h\u00f6rt der Spa\u00df auf. Warum? Welche Gefahr droht wirklich?<\/p>\n<p>Kurz zur Erkl\u00e4rung: Zugelassene Krankenh\u00e4user k\u00f6nnen auch Nicht-\u00c4rzten geh\u00f6ren, z.B. gro\u00dfen Fonds-Gesellschaften. Diese Kliniken wiederum k\u00f6nnen Z-MVZ gr\u00fcnden. Die Praxen bzw. Z-MVZ geh\u00f6ren dann am Ende der Fond-Gesellschaft. Die Vorteile f\u00fcr diese Variante der Betriebsformen liegt darin, dass durch Synergieeffekte beispielsweise mehr f\u00fcr Marketing ausgegeben werden kann. Und nat\u00fcrlich konzentrieren sich die Gr\u00fcndungen bzw. meistens \u00dcbernahmen auf lukrative Standorte. Bei strategischen Investitionen bringen die Gesellschaften auch h\u00e4ufig f\u00fcr mehrere Jahre \u201edas Geld mit\u201c.<\/p>\n<p>Vergessen wird dabei aber oft eines: Am Ende entscheidet der Patient, wohin er geht. Und es gilt der alte Grundsatz: Menschen wollen von Menschen und nicht von Institutionen behandelt werden. Zahn\u00e4rzte verkaufen eben kein SmartPhone, wobei der Eigent\u00fcmer der Fabrik v\u00f6llig egal ist, sondern eine pers\u00f6nlich erbrachte, medizinische Dienstleistung. Da muss sich ein MVZ ohne Zahnarzt-Chef schon ganz sch\u00f6n strecken, um Patienten zu binden. Und wenn das bei einigen gelingt, soll das wohl so sein: Jede Praxis bekommt die Patienten, die zu ihr passen.<br \/>\nDazu muss sich das MVZ noch sehr anstrengen, um nicht den bekannten Effekt zu erzielen, dass ein angestellter Zahnarzt Patienten bindet, um sich nach wenigen Jahren genau mit diesen Patienten selbstst\u00e4ndig zu machen.<\/p>\n<p>Wir haben in Deutschland 42.000 Zahnarztpraxen, davon 80 Prozent Einzelpraxen. Ich bin ganz sicher, dass die wenigen MVZ diese nicht wirklich gef\u00e4hrden werden. Nat\u00fcrlich muss jede Praxis heute in Marketing investieren und beim Patienten durch Pers\u00f6nlichkeit, F\u00fchrungsst\u00e4rke und ein tolles Team Begeisterung erzeugen. Die sch\u00f6ne und moderne Praxis z\u00e4hlt auch dazu. Aber dann liegt bereits der Vorteil auf der Hand: Es ist tats\u00e4chlich ein Chef bzw. eine Chefin da, die selbst behandelt und f\u00fcr den Patienten auch als Ansprechpartnerin zur Verf\u00fcgung steht. Da l\u00e4uft es eben nicht anonym.<\/p>\n<p>Wenn die Standespolitik gegen Fremdbesitz angeht, ist das okay \u2013 ich sehe aber keine wirklich relevanten Bedrohungen. Warum soll es nicht die gesamte Angebotspalette geben, bei der der Patient w\u00e4hlt. Dem guten Zahnarzt sollte das recht sein, und darum geht es doch. Vielleicht sind alle irgendwann mal ganz dankbar f\u00fcr diese Variante, wenn n\u00e4mlich die Baby-Boomer-Generation ihre Praxen ohne Nachfolger aufgegeben haben und die Patienten neue, gute Praxen mit vertrauensw\u00fcrdigen Zahn\u00e4rzten und Zahn\u00e4rztinnen suchen. Und dann freue ich mich dar\u00fcber, dass die Zahnarztpraxis wirklich in der Marktwirtschaft angekommen ist. Die besten werden vorn sein \u2013 zum Wohle der Patienten.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Mehr Artikel von Christoph Sander finden Sie auf unserer Internetseite &#8211; <a title=\"\" href=\"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zu den Publikationen &gt;&gt;<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Der Originalbeitrag ist in der dentalfresh, Ausgabe 3\/2018, OEMUS MEDIA AG, erschienen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 2015 k\u00f6nnen nun auch arztgruppengleiche MVZ betrieben werden, eine Chance f\u00fcr viele Unternehmer-Zahn\u00e4rzte. Gr\u00f6\u00dfter Vorteil: Man kann Zahn\u00e4rzte in beliebiger Zahl einstellen. Und nun gibt es noch die MVZ in Fremdbesitz. Aber ist das nun wirklich so eine Katastrophe, wie es oft dargestellt wird? Christoph Sander nimmt dem Schreckgespenst MVZ in dieser Gastkolumne f\u00fcr dentalfresh den Schrecken.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":247,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[14,22,20],"class_list":["post-244","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-praxisgruendung","tag-patientengewinnung","tag-praxiserfolg","tag-praxisgruendung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/244","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=244"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/244\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1552,"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/244\/revisions\/1552"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/247"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=244"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=244"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=244"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}