{"id":251,"date":"2019-02-13T14:04:59","date_gmt":"2019-02-13T13:04:59","guid":{"rendered":"https:\/\/sanderconcept-blog.de\/?p=251"},"modified":"2025-01-15T17:29:35","modified_gmt":"2025-01-15T16:29:35","slug":"wie-ermittle-ich-einen-fairen-praxiswert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/2019\/02\/13\/wie-ermittle-ich-einen-fairen-praxiswert\/","title":{"rendered":"Wie ermittle ich einen fairen Praxiswert?"},"content":{"rendered":"<h2>\u00dcbergabe: Abgeber sind beim Verkauf oft benachteiligt<\/h2>\n<p>Bei der Praxiswertermittlung werden der immaterielle und der materielle Wert der Praxis getrennt ermittelt und zu einem Gesamtwert addiert. Dabei kommt dem immateriellen Wert mehr Bedeutung zu, weil er oft mehr als zwei Drittel des Gesamtwerts ausmacht und mit Anwendung des modifizierten Ertragswertverfahrens auch komplexer zu ermitteln erscheint. Tats\u00e4chlich ist aber die Bestimmung des materiellen Teils erheblich schwieriger. Diese wird regelm\u00e4\u00dfig ohne modellm\u00e4\u00dfige Rechenbasis vorgenommen, indem beispielsweise einfach ein Depot mit der Wertermittlung beauftragt wird. Der gr\u00f6\u00dfte Fehler bei der Wertermittlung durch ein Depot besteht in der Regel darin, dass ihm keine konkrete Vorgabe \u00fcber die gesuchte Wertart gemacht wird. So fertigt das Depot m\u00f6glicherweise eine Liste mit Einzelpreisen an, die aussagen, was das Depot dem Praxisinhaber beim Verkauf \u2013 also f\u00fcr die Abholung \u2013 zahlen w\u00fcrde, oft mit dem Zusatz: \u201eSie erhalten unsere Bewertung als An-\/Wiederverk\u00e4ufer aus Erfahrungswerten sowie des aktuellen Wissensstands der Dentalindustrie.\u201c Das ist unpr\u00e4zise und im Regelfall gar nicht gesucht. Manchmal wird auch der \u201eNutzwert\u201c bestimmt, ohne dass exakt beschrieben wird, was genau dieser sein soll und er daher ohne bewertungstheoretischen Hintergrund ist.<\/p>\n<p>Gesucht ist im Verkaufsfall meistens der Wert bei Fortf\u00fchrung des Betriebs durch den K\u00e4ufer. Es bleiben die Anlagen also dort, wo sie sind. Worin besteht unter diesem Aspekt ihr Wert? Die Antwort lautet: Der Wert besteht darin, dass ein gedachter \u00dcbernehmer eine Zeit lang nicht in neue Anlagen investieren muss, wenn er Ihnen die vorhandenen abkauft. Beispiel: Sie verkaufen Ihre Praxis und haben eine zehn Jahre alte Behandlungseinheit. Die w\u00fcrde heute neu 50.000 Euro kosten. Sie gehen davon aus, dass eine solche Einheit 20 Jahre lang h\u00e4lt und der K\u00e4ufer sie \u00fcber eine entsprechend lange Laufzeit finanziert. Dann betr\u00e4gt die Finanzierungsrate bei 3 Prozent Zinsen 3.361 Euro pro Jahr. Diese Rate spart der K\u00e4ufer jetzt zehn Jahre lang, in denen er nicht investieren muss. Ohne finanzmathematische Aufbereitung spart er also insgesamt rund 34.000 Euro, wenn er Ihnen die Einheit abkauft. Ganz exakt berechnet verringert sich der Wert noch etwas, weil eine Ketteninvestitionsrechnung gemacht werden muss, aber hier soll es nur um das Prinzip gehen. Und das Prinzip ist das des \u201eAusgabenersparniswerts\u201c. Er hat \u00fcbrigens die Eigenschaften eines Ertragswerts und passt daher ideal zur Ermittlung des immateriellen Werts.<\/p>\n<p>Mit dieser Wertbestimmung wird ein materieller Wert ermittelt, der f\u00fcr den K\u00e4ufer einen Entscheidungswert darstellt. Will der Abgeber einen h\u00f6heren Preis (als hier 34.000 Euro) erzielen, m\u00fcsste dem K\u00e4ufer geraten werden, lieber gleich eine neue Einheit zu kaufen. Im Normalfall wird allerdings der \u201eVerkehrswert\u201c gesucht, den es eigentlich beim Kauf\/Verkauf von Praxen gar nicht gibt, weil der Markt nicht vollkommen ist. Wir sagen also vereinfachend, dass wir einen \u201e\u00fcblichen Preis\u201c wissen m\u00f6chten. Und der wiederum wird von den Depots gebildet. Depots fungieren, ohne dass es ihnen bewusst ist, als \u201ePreissetzer\u201c.<\/p>\n<p>Das ist zun\u00e4chst gar nicht schlimm, obwohl diese Bewertung ja keine belastbare Grundlage hat. Die Depots haben eine gute \u00dcbersicht \u00fcber markt\u00fcbliche Preise. Das Problem ist, dass diese markt\u00fcblichen Preise in der Regel viel kleiner sind als die vergleichbaren Ausgabenersparniswerte. So nehmen wir hier mal exemplarisch an, dass das Depot die oben genannte Einheit mit lediglich 15.000 Euro bewertet. Welcher Preis am Ende der Verhandlung dann der \u201erichtige\u201c Preis ist, steht auf einem anderen Blatt. Der Abgeber sollte sich aber dar\u00fcber klar sein, dass es f\u00fcr den K\u00e4ufer au\u00dferordentlich vorteilhaft ist, die alten Anlagen zu \u00fcbernehmen. Und entsprechend sollte er verhandeln.<\/p>\n<p>Leider ist es oft so, dass die Preise entweder \u201egef\u00fchlt\u201c festgestellt werden, also f\u00fcr die Praxis materiell und immateriell zusammen beispielsweise 200.000 Euro, ohne dass eine belastbare Wertermittlung durchgef\u00fchrt wurde. Der h\u00e4ufigste Fall ist aber der, dass ein Sachverst\u00e4ndiger oder der Steuer- bzw. sonstige Berater den immateriellen Wert mehr oder weniger berechnet und zur Ermittlung des materiellen Werts einfach das Depot fragt. Und dieser Wert wird meistens unhinterfragt akzeptiert. Hinzu kommt noch, dass die vielen Kleinteile wie Hand- und Winkelst\u00fccke, Instrumente und sonstige geringwertige Wirtschaftsg\u00fcter gar nicht ber\u00fccksichtigt werden, obwohl sie einen betr\u00e4chtlichen Ausgabenersparniswert haben.<\/p>\n<p>Mit den Erkenntnissen aus diesem Beitrag und ein bisschen Verhandlungsgeschick k\u00f6nnen Sie bei Ihrem Praxisverkauf wahrscheinlich einen um viele tausend Euro h\u00f6heren Erl\u00f6s erzielen. Viel Erfolg dabei.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Mehr Artikel von Prof. Dr. Thomas Sander finden Sie auf unserer Internetseite &#8211; <a title=\"\" href=\"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zu den Publikationen &gt;&gt;<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Der Originalbeitrag ist in der DZW (Ausgabe 06\/2019 | Zahn\u00e4rztlicher Fach-Verlag GmbH) erschienen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Praxiswertermittlung werden der immaterielle und der materielle Wert der Praxis getrennt ermittelt und zu einem Gesamtwert addiert. Ist die Bestimmung des materiellen Teils tats\u00e4chlich leichter als die Ermittlung des immateriellen Werts? Dieser Frage geht Prof. Dr. Sander hier nach.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":252,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19,7],"tags":[20,24,25,4],"class_list":["post-251","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-praxisgruendung","category-praxiswertermittlung","tag-praxisgruendung","tag-praxisuebernahme","tag-praxisverkauf","tag-praxiswertermittlung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/251","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=251"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/251\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1563,"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/251\/revisions\/1563"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/252"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=251"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=251"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sander-concept.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=251"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}